Sie leben auf der Straße. Am Tag und bisweilen auch in der Nacht. Sie spielen Fußball. Nicht nur, aber sehr oft. Mit Blechdosen, Schachteln, zerknülltem Papier, Bällen aus Textil, Plastik, selten aus Leder. Und sie tragen Dressen von Profifußballern. Bunte Dressen. Aus Kunststoff gefertigt. In den Farben, die man von den via Satellitenfernsehen in die Straßen gelieferten Fußballübertragungen kennt. Meist Dressen der Größe XL, mit den Namen von Weltstars auf den Rückseiten. "Figo" steht da etwa zu lesen, "Zidane", "Trezeguet", "Kaká", "Messi", "Eto’o" oder "Moutinho". Mit diesen Spielern und deren Ruhm identifizieren sich die Buben und Jugendlichen auf den Straßen von Mali (von Bamako bis Timbuktu). Die viel zu großen Dressen sind ein begehrtes Statussymbol. Auch wenn sie löchrig, zerfetzt, schmutzig, zerschunden (weil täglich in Gebrauch) sind. Eine Botschaft nach außen, ein Bekenntnis: Auch ich kann es schaffen. Heraus aus den Straßen, hinein in die Stadien des Weltfußballs. Heraus aus der Armut, hinein in das Luxusleben der Topverdiener. Und dann jede Woche den Dress mit dem eigenen Namen über der Rückennummer überstreifen. Über den Fußball vom Verlierer zum Gewinner mutieren. Das ist die Hoffnung der Straßenkinder. Nicht nur in Mali. (Martin Behr)
Eine Einschaltung der Künstlergruppe G.R.A.M. und des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark.




